Da das Riesengebirge von altersher das Reich des neckenden, launenhaften, doch meist gutartigen Berggeistes Rübezahl ist, dessen Name durch Johann Prätorius und später durch die anmutigen Erzählungen von Musäus in seinen Volksmärchen in ganz Deutschland bekannt gemacht worden ist, so verwundert es nicht, daß auch der Volksmund zahlreiche Felspartien und andere Örtlichkeiten im Gebirge nach dem Berggeist benannt hat.

In den folgenden Zeilen wollen wir uns hier einmal etwas näher mit diesen auf den Rübezahl bezugnehmenden Felsgebilden und Waldflurstellen im Riesengebirge beschäftigen.


Auf der Kammhöhe zwischen der Großen und Kleinen Schneegrube befindet sich die malerisch gelegene Felsengruppe "Rübezahls Kanzel", auch "Teufelskanzel" geheißen, von der aus man eine entzückende Aussicht über die finsteren Gruben hinweg auf die lachenden Fluren um Warmbrunn und Hirschberg hat.

Es ist dies ein Gegensatz, wie er in den Sudeten nicht wieder mit einem Blick zu schauen ist. Im Schütze dieser aus dem Bergkörper senkrecht aufsteigenden Granitmasse ließ 1837 Graf Leopold Schaffgotsch die alte Schneegrubenbaude errichten.

Die Felsgruppe bewahrte das kleine hölzerne Haus davor, dass dieses nicht einmal vom Weststurm in die Grube hinabgefegt wurde. Nachdem 1895/96 die neue große Schneegrubenbaude mit einem 7 stöckigem Turm erbaut worden war, diente die alte Baute vor "Rübezahls Kanzel" nur noch als Träger- und Führerstube.

Ein in der Nähe der Schneegrubenbaude am Kammweg liegender Felsblock wird als "Rübezahls Handschuh" bezeichnet.

Wenn der Blick hinab in die Gletscherkarren der letzten Eiszeit - in die zerklüfteten Granitbecken und auf die zerrissenen Granitwände gleitet erblickt man Felsen in Form von Pyramiden, Obelisken, Säulen die aus der schauerlichen Tiefe hinauf starren.Einer von Ihnen wird "Rübezahls Zahnstocher" genannt

An der ungefähr 300 m hohen Steilwand, über die sich die Pantsche in den Elbgrund stürzt, befindet sich, etwa 60 Meter vom oberen Rand der Pantschwiese entfernt der Eingang zu einer Höhle, die im Volksmund "Rübezahls Schatzkammer" heißt. Selbstredend bewacht Rübezahl die hier verborgenden Schätze bis heute. Dies symbolisiert der hier befindliche Fels dem man die Bezeichnung "Rübezahls Kopf" verliehen hat.

Um diesen, nur wenigen Leuten bekannten Ort hat die Sage ihr Geheimnis gesponnen.

Hier haust das verwunschene, graue, schatzhütende Männlein, nach dem Erlöser und Schatzheber ausspähend. Zwei berüchtigten Räubern, dem 1706 in Hohenelbe hingerichteten "Zacharias" und dem sogenannten "Scheibentoni" der von unbekannter Hand erschossen wurde soll die Höhle als Unterschlupf gedient haben.

Von dem Eingang sollen Gänge zu einem Teich führen, an dem ein schwarzer Hund mit feurigen Teetassenaugen jedes weitere Vordringen verwehrt. Das Sonntagskind, dem es gelingt, trotz des Märchentieres über den Teich zu gelangen, kann den Gang weiter wandern, bis es mitten im Isergebirge wieder an das Tageslicht kommt.

Wandert man auf dem durchgehenden Touristenweg Seidorf-Brotbaude-Hampelbaude aufwärts, so kommt man zu "Rübezahls Kegelbahn" (960 m), eine kleine Ebene, wo rechts ein Fußpfad zur Hasenbaude und den Mittagstein führt. Auch mündet hier ein Weg von der Kirche Wang in Brückenberg.

Auf dem Weg von der Sommerfrische Hain zum Hainwasserfall gelangt der Wanderer zu "Rübezahls Tanzplatz", bei welcher kleinen Waldwiese an einem hohen Felsen eine Gedächtnistafel für den Landschaftsmaler Adolf Dreßler (+ 1881) angebracht war, der als einer der ersten die landschaftlichen Schönheiten in der Umgebung von Hain entdeckte und durch seine Werke weiten Kreisen bekannt machte.

Von der Zackelfallbaude bei Schreiberhau führt ein bezeichneter Weg vom oberen Ende des Wasserfalles allmählich aufwärts in einer halben Stunde zu "Rübezahls Würfel", einem niedrigen Felsblock.

Von dort erreicht man in einer Stunde die freie Wiesenlehne des Steindl- oder Weiberberges und auf ihr, den Reifträger zur Linken, die Neue Schlesische Baude (1195 m).
Auf dem Wege zur Alten Schlesischen Baude heißt ein im Bergwald befindliches, länglich-flaches, bemoostes Felsstück "Rübezahls Kanapee".

Offenbar war der Berggeist des Riesengebirges auch einem guten Tropfen nicht abgeneigt, denn im Zackentale oberhalb Petersdorf wird eine am rechten Zackenufer sich erhebende Felsmasse mit "Rübezahls Weinkeller" bezeichnet. Kurz hinter der Felsmasse mündet das vom Hohen Rad und den Schneegruben herabkommende Kocheltal in das Haupttal.

Zu Frühstücken pflegte der Herr der Berge im oberen Tal der Mummel, wo sich am Zusammenfluß von Großer und Kleiner Mummel "Rübezahls Frühstückshalle" befindet. Es ist dies eine wichtige Wegkreuzung, bei der es links zur Wossekerbaude und zum Reifträger, rechts über den Plechkamm nach der Hofbaude und weiter nach Rochlitz geht.


Am nördlichen sanften Abhang der Kesselkoppe (1434 m) liegt "Rübezahls Rosengarten", eine aus Felsblöcken aufgemauerte kreisförmige Einfriedung, über deren Entstehung nichts Genaues bekannt ist. Die Sage schreibt den sternförmigen Steinwall einer Gräfin Rosa Harrach zu, die diesen Punkt angeblich zu ihrer Lieblingsrast im Riesengebirge ausersehen hatte. Die Grafen Harrach waren Großgrundbesitzer im böhmischen Riesengebirge.

Wenn man von Harrachsdorf über die Saalenbacher Hofbauden zu den Schüsselbauden und weiter nach Spindelmühle durch die botanisch wertvollen Kesselgruben wandert trifft man unweit von hier auf den vom DRGV angelegten schönsten Wanderweg des Riesengebirges, der ebenfalls an den Berggeist erinnert,den "Rübezahlweg".



Am steilen Abhange des Brunnberges bzw. der Brandkoppe, die in wild zerrissenen Felswänden, zwischen denen tiefe Schrunde eingeschnitten sind, 300 bis 400 m tief in den Riesengrund abstürzt, bezeichnet links eine Halde ein Steingeröll den Ausgang einer Felsspalte mit einem Rasenfleck seltener Gebirgspflanzen, das sogenannte "Teufelsgärtchen".

Mehr nach Norden fallen in dünnen Silberstreifen die Quellwasser der Großen Aupa aus dem Woerlichgraben, Schneegraben und Aupagraben in den Aupakessel hinab und bilden den Aupafall. Die obersten Grasflecken dort an der Felswand zwischen Woerlich- und Schneegraben heißen "Rübezahls Lustgarten" und sind wie das "Teufelsgärtchen" schwer zugängliche Fundorte seltener Hochgebirgspflanzen.

Über viele Generationen hinweg ist eine Geschichte überliefert worden: Ein Kräutersammler hollte aus Rübezhals Gärtlein heilkräftige Springwurzelnund verdient mit den Wurzeln viel Geld.Habgierig geworden holt er ein zweites Mal Wurzeln und wird von Rübezahl überrascht und in die Lüfte geschleudert.Nie wieder hat man etwas von dem Wurzelsammler gehört.

Der Heimatforscher und Schriftsteller P. Regell schreibt über diesen Ort in der Monographie "Das Riesen- und Isergebirge" (Leipzig 1927): "Noch eine kurze Strecke Waldes - und wir stehen vor dem großartigsten Schaustück des gesamten deutschen Mittelgebirges, dem Allerheiligsten Rübezahls, dem oberen Riesengrund.

An 700 m bäumt sich über der Tiefe des Grundes der Riesenberg, die Schneekoppe empor, deren klippige Glimmerschieferwand von den Narben, welche Lawinen oder noch bösartigere Steinmuhren eingerissen haben, durchfurcht ist.

Hier hatte einst der Berggeist seinen Wohnsitz aufgeschlagen; in der Tiefe der Erde wies er dem Bergmann die reichen Adern gleißenden Erzes, und auf schwer zugänglichen Stellen des in Steilwänden abstürzenden Brunnberges zeigt man noch heute die Lustgärten (Bibernellfleck und Teufelsgärtchen), in denen der Berggeist (d. h. die Kräutersammler und Laboranten) die seltensten und edelsten Pflanzen pflegte."

Geht man von der Burg Kynast nach Austritt aus dem Wächterhäuschen rechts auf dem Fußwege durch die schmale Pforte die Stufen hinab bis zu dem breiten Wege mit Wegweiser, so befindet man sich auf dem Sattel zwischen Kynast (657 m) und Heerdberg (680 m). In dieser Einsenkung trifft man auf "Rübezahls Fußstapfen" (Verwitterungen im Granit).

Wer vom Kynast durch die sogenannte "Hölle" nach Saalberg wandert, der kommt an "Rübezahls Winterhut" vorüber. Es ¡st dies der letzte große Höllefelsen dicht am Wege mit einer Anzahl aneinandergereihter "Opferkessel", die ebenfalls als Verwitterungsformen zu betrachten sind.

Seine letzte Ruhestätte hat der Berggeist unter den Felsklippen im Zackental in Schreiberhau gefunden, wo sich am linken Flußufer des Zacken am Sieber-Hübel der Felsen "Rübezahls Grab" befindet.

Es wird zwar wenig beachtet ist aber hochinteressant. Je zwei ungeheuere, an l 1/2 m dicke Granitplatten liegen kreuzweise so übereinander, dass die beiden unteren in der Erde versenkt sind, eine 0,5 bis l m breite tunnelartige Spalte zwischen sich lassend, die einem Felsengrabe sehr wohl zu vergleichen ist.

Die zwei darüber liegenden Platten bilden eine ebensolche, aber quer gelegte Spalte. Man sieht deutlich, dass die Spaltflächen je zweier Platten aneinander passen, und vermag sich nicht die Gewalt zu erklären, welche die Bruchstücke auseinander gerückt hat.

Die so eigentümliche und kunstgerechte Zusammenstellung wirken auf den Betrachter als habe die Hand eines Gewaltigen sich hier ein Mausoleum errichtet, welches unvergänglich wie die riesige Hochwarte Schlesiens seinen Namen wie eine ferne Wundersage der Vorzeit auf späte Enkelgeschlechter bringen sollte.

Weitere auf den Berggeist bezugnehmende Felsbezeichnungen enthalten die Adersbach-Wekelsdorfer Felsenstädte. Es sind dies in den Adersbacher Felsen Rübezahls Backenzahn, Rübezahls Hosen und Schlafender Rübezahl, in den Wekelsdorfer Felsen Rübezahls Zahnstocher.